Consano-Verein Physician Profiling

 

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Verein für eine Faire und Soziale Medizin in der Schweiz

Pressemitteilung Vortraege Pressespiegel

Informationen zum 4. Consano Symposium

 

 

Bei der Betreuung kostenintensiver Patienten

Synergien zwischen

Kassen und Ärzten nutzen

 

Viele Patienten/-innen bewirken geringe Kosten – wenige Patienten/-innen fallen kostenmässig stark ins Gewicht. Diese Tatsache ist allgemein anerkannt. Daher gilt es Gräben zwischen Kassen und Ärzten zu überwinden, zur Sicherung eines weiterhin qualitativ guten Gesundheitswesens in der Schweiz.

Bei der Betreuung kostenintensiver Patienten gilt es also Synergien zwischen Kassen und Ärzten zu nutzen.

Chronische und komplexe Patienten/-innen  benötigen eine gut funktionierende Betreuung zwischen Grundversorgern und Spezialisten.

Das heutige System bestraft Grundversorger, die sich um chronische Patienten kümmern. Bei den einfachen statistischen Durchschnittswerten fallen solche Grundversorger als „teure Ärzte“ auf und sie müssen sich rechtfertigen. Also werden chronische Patienten an die Spezialisten und an die Spital-Ambulatorien abgeschoben. Dort explodieren die Kosten.

Folgende Referenten/innen werden unter der kompetenten Moderation von Martin Brodbeck, Redaktion der Basler Zeitung, zur höchst brisanten Diskussion Stellung nehmen:

Referate:

Frau Dr. med. Samia Hurst, von der Universität Genf, berichtet von eigenen, europaweiten Studien zur versteckten Rationierung, mit konkreten Bezügen zur Schweiz.

Dr. med. Christoph Cina, Sekretär der SGAM, der schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Grundversorger und Hausarzt aus dem Bucheggberg bringt eigene Erfahrungen und die Anliegen des jetzigen und des künftigen Hausärzte – Verbandes zur Wort.

Prof. Dr. med. Thomas Rosemann, Institut Hausarztmedizin, Universität Zürich, referiert von Studien, die zeigen, dass komplexe Patienten am besten in einem Netz von Grundversorgern und Spezialisten betreut werden.

Daniel Wyler, Leiter Abteilung Services, SVK, Schweizerischer Verband für Gemeinschaftsaufgaben der Krankenversicherer, Solothurn, kennt die Gründe für besonders kostenintensive Krankheiten.

Frau Michèle Meyer, Präsidentin LHIVE, Verband für Menschen mit HIV und AIDS, Hölstein, stellt Forderungen als Vertreterin einer besonders kostenintensiven Patientengruppe zur Diskussion.

Stefan Kaufmann, Direktor Santésuisse, Solothurn, vertritt die Stellung der Krankenkassen und wird besonders auf die Problematik der chronischen Patienten in der Grundversorgung eingehen.

Grussbotschaft des Sanitätsdirektors

Der Sanitätsdirektor und Vorsteher des Departements des Inneren, Regierungsrat des Kantons Solothurn, Peter Gomm, Olten, von der Tagung möglichst konkrete Schlussfolgerungen für die tägliche Politik.

Mit dem bereits vierten, nationalen Symposium ist es Consano, der Vereinigung für eine faire und soziale Medizin in der Schweiz, wiederum gelungen kompetente Referentinnen und Referenten an einen Tisch zusammen zu bringen.

Dr. med. Cyrill Jeger, 15.9.2008

 
Weitere Informationen:
Dr. med. Michel Romanens, 16.09.2008

Hintergrund:

Die Betreuung chronisch kranker Patienten, insbesondere Personen mit Krebs, HIV, Diabetes, koronarer Herzkrankheit, Depression oder rheumatischen Erkrankungen ist teils mit enormer Kostenfolge verbunden. Damit diese Personen vom Hausarzt medizinisch adäquat versorgt werden können, sind neben hoher fachlicher Kompetenz auch die entsprechenden finanziellen Mittel aufzuwenden

Problem:

Das Budget (gemeint ist das Überschreiten des Mittelwertes über 30% zur Vergleichsgruppe gemäss Verfahren der Santésuisse) von Hausärzten wird je nach Casemix ihrer Patienten erheblich strapaziert. Auch Krankenkassen können durch einen ungünstigen Casemix ihrer Kunden belastet werden, weshalb diese schon seit über 10 Jahren bessere Wirtschaftlichkeitsverfahren als die gegen Hausaerzte eingesetzte Verfahren anwenden. Die reale Auswirkung des gegen Aerzte eingesetzten Wirtschaftlichkeitsverfahrens der Santésuisse ist für den Hausarzt unerträglich, was auch durch den Präsidenten der FMH umissverständlich thematisiert wird (pdf)

 
Benchmarks für Hausärzte:
Die Versicherer benutzen seit über 10 Jahren Risikoausgleichs-Instrumente als Wirtschaftlichkeitsverfahren, um sich vor ungünstigen Risiken zu schützen (pdf). Diese Verfahren erlauben über indirekte Marker (pharmaceutical cost groups, PCG) Rückschlüsse auf die Morbidität (z.B. Insulinbehandlung = Diabetes). Nur dank dem Einschluss solcher indirekter Morbiditätsvariablen ist ein fairer Risikoausgleich überhaupt denkbar. Dazu im Gegensatz verwenden die Versicherer zur gesetzlich vorgeschriebenen Beurteilung der WZW-Kriterien für Hausärzte einen unfairen Benchmark, welcher nur 7% der notwendigen Kosten einer Hausarztpraxis erklärt (pdf) und sich im Wesentlichen auf die Durchschnittskostenmethode abstützt. Es kann nicht sein, dass die Santésuisse gegen Aerzte Wirtschaftlichkeitsverfahren einsetzt, welche die Kassen für sich selber vermeiden (siehe auch pdf). 
 
Politisch motiviertes Wirtschaftlichkeitsverfahren 

Das Wirtschaftlichkeitsverfahren der Santésuisse ist somit nicht objektiv. Es erzeugt die Scheinrealität einer Überzahl von teuren Aerzten in der Schweiz. Damit kann das Terrain für die Aufhebung des Kontrahierungszwangs politisch besser vorbereitet werden. Gleichzeitig werden die Hausärzte aber gezwungen, die teuren Patienten an Spezialisten oder Spital-Ambulatorien weiter zu weisen, um selber nicht als teure Hausärzte aufzufallen. Die Kostenexplosion in den Spital-Ambulatorien ist damit teilweise erklärbar und dürfte die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) um jährlich zusätzliche 1.4% oder 30 Mio Franken belasten (pdf): die ambulante Behandlung teurer Patienten ist beim Hausarzt nachweislich kostengünstiger als im Spital. Das Wirtschaftlichkeitsverfahren der Santésuisse ist in Anbetracht der vorhandenen Datenbanken der Krankenkassen und der Trustcenters der Ärzte nicht mehr zeitgemäss, wird von wichtigen Exponenten von Fachgesellschaften nun klar abgelehnt (pdf,pdf) und ist auch juristisch als Beweismittel für Überarztung unbrauchtbar (pdf). Damit ist klar, dass ein Moratorium für die gegen Hausaerzte angewandte Wirtschaftlichkeitsverfahren zu fordern ist, damit nicht noch weiterer Schaden angerichtet wird (Imageschaden und Burnout für Hausärzte, kostenintensive Verlagerung der Patienten in Spital-Ambulatorien, Förderung der versteckten, impliziten, Rationierung). 

 
Gemeinsame Synergien nutzen:

Das Consano-Symposium soll dazu beitragen, die Notwendigkeit für die gemeinsame Nutzung von Synergien aufzuzeigen. Die heutige Datenlage gestattet die Erzeugung fairer Benchmarks zwecks Erfassung validierbarer Risikoausgleichsverfahren nicht nur für den stationären (swissDRG) sondern auch für den ambulanten medizinischen Sektor. Vor allem die Trustcenters der Schweiz, aber auch die Versicherer (Seite 239: pdf / pdf)  erarbeiten zurzeit Benchmarks, welche künftig den Nutzen von Kosten besser einschätzen lassen, Outcome Variablen mit einschliessen und damit ein faires und vor allem für die Prävention besseres Benchmarking in der ambulanten medizinischen Grundversorgung gestatten werden. Der synergistische Abgleich von Aussagen und Resultaten aus verschiedenen Datenbanken (der Versicherer, der Ärzte) wird zusätzlich die Qualität neuer Benchmark-Systeme erhöhen, um eine künftige Optimierung der Versorgungsqualität zu gewährleisten. Die Beiträge dieses Consano-Symposiums beleuchten diese Tatsachen aus verschiedenen, auch ethischen Blickwinkeln.