Consano-Verein Physician Profiling

 

Home
Nach oben

 

Verein für eine Faire und Soziale Medizin in der Schweiz

4. Consano Symposium: Statement und Pressespiegel

 

Pressemitteilung Vortraege Pressespiegel

Statement zum 4. Consano Symposium

 

Pressespiegel Baslerzeitung, 18.09.2008 pdf

Oltner Tagblatt, 19.09.2008 pdf

NZZ vom 24.09.2008 pdf

Medical Tribune pdf

"Freedom under Pressure"

Das 4. Consano Symposium fand am 18. September in Olten statt und wurde von rund 60 interessierten Personen besucht. Neben einer bedeutsamen Referentengruppe zeigten die Exposees auch viele menschliche Aspekte auf, sehr gut und mehrfach exemplifiziert durch eine hervorragende Michèle Meyer.

 

Menschliche (Leidens-) Ebenen sollen oder müssen angeblich von Verwaltern des Gesundheitswesens zugunsten höherer Metaebenen ja gelegentlich verlassen werden. Diese höhere Metaebene glaubt, dass im höheren Interesse (von wem?) Opfer auf der Submeta-Ebene notwendig sind, sozuagen: dass Schiff muss schwimmen, auch wenn einige (zu viele?) dabei unrettbar über Bord gehen. Das ist genau die Frage: wo beginnt die Metaebene in ihren höheren Sphären zu pervertieren ? Diese Grenze zu erkennen, wo eine Metaebene Perversion (zu viele die über Bord gehen) erzeugt, ist nicht einfach. Viele Spezialisten im Gesundheitswesen sind damit beschäftigt, die Metaebenen so auszugestalten, dass Perversion vermieden wird. Ja, aber gibt es denn diese Perversionen?

 

Wenn die Versicherer glauben, sie können mit 7% der erklärbaren Kosten bei den Hausärzten einen Siebfilter verwenden, welcher zudem die gesetzlichen WZW-Kriterien zu erfüllen hätte, dann ist das ein veritabler Skandal und eine dieser manifesten Perversionen. Es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das Benchmarking der santésuisse sich als Kotzbrocken gegen die Versicherer selbst wenden wird.

 

Deshalb forderte Dr. Romanens ein Moratorium für das Benchmarking der Santésuisse, welches in der Folge von Christoph Cina am Podium unterstützt wurde.

 

Wir sind uns dabei bewusst: es wäre ein leichtes, bessere Verfahren anzuwenden. Keiner Krankenkasse käme es in den Sinn, dieses diskriminierende und personlichkeits-verletzende Verfahren, welches von santésuisse gegen brave Hausärzte eingesetzt wird, für den eigenen Risikoausgleich zu verwenden. Pharmaceutical cost groups alleine würden als Beweis genügen, dass der Filter nicht mehr weiter ein zerstörerisches Fischernetz bedeuten würde, dass niemand mehr flicken mag. Und diese Verfahren wären schon heute anwendbar.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Arzt X liegt um 80% über dem Schnitt und ist damit ein potentieller Versicherungsbetrüger, immer nach Lesart der Santésuisse. Entgegen den üblichen Verfahren im internationalen und nationalen Rechtswesen ist der Beschuldigte  nun gezwungen, seine Unschuld zu beweisen, eine weitere dieser Perversionen der Versicherer gegen Ärzte. Normalerweise muss ja der Kläger den Beweis antreten.

 

Die Jusletter 08/2008 demaskiert dieses Verfahren endlich als das, was es ist: ein mafiöses Gebilde aus Erpressung, Bedrohung der Persönlichkeit und angedrohte Regressrorderungen. oder Originalton: "Ruinöse Rechtssprechung in Wirtschaftlichkeitsverfahren (pdf)."

 

So kann es also kaum weiter gehen. Denn der besagte Arzt generiert auf Grund seiner Klientel 80% mehr krankheitsbedingt notwendige Kosten als die Kollegen in der Vergleichsgruppe. Die Santésuisse bräuchte nur kurz nachzufragen bei ihren Datenzulieferern, den Krankenkassen: "Hallo, hier Santésuisse. Arzt X ist auffällig. Könnt ihr mir nähere Daten liefern?" Antwort: "der Arztcheck hat ergeben, dass er im Vergleich zu seinen Kollegen häufiger Insulin, Antidepressiva und vor allem Krebsmittel verschreibt". Auf Grund der Medikamente, die der Arzt verschreibt, kann nämlich auf die Diagnose geschlossen werden: Insulin=Diabetes. Antidepressiva=Depression. Krebsmittel=Krebs. Der Arzt ist also teurer, weil er im Schnitt teurere Patienten versorgen muss (rechtlich: Auftragsrecht Patient-Arzt).

 

Warum fragt die santésuisse also nicht mal nach und bereinigt ihre Daten, bevor sie ihre Bedrohungsschreiben auf die braven Hausärzte loslässt? Überlegen Sie selber. Für die richtige Antwort erhalten Sie einen Check über 100 Sfr. (Privatfond Dr Romanens, Gewinner werden publiziert).

 

Wie die Ethikerin der Universität Genf, Samia Hurst, richtig feststellte, steckt das Problem in der Machtverteilung, wenn Konflikte auftreten. Liegt bei den Wirtschaftlichkeitsverfahren die Macht zu sehr bei den Versicherern, sind Ungerechtigkeiten programmiert. Die Versicherer sind sich natürlich der Defizite ihrer Instrumente bewusst, argumentieren aber mit dem ihnen aufgehalsten Gesetzesauftrag.

 

Die Frage der Vertrauensbildung zwischen Versicherern und Aerzten wurde nicht zu Unrecht vom hervorragenden Moderator, Herr Brodbeck, der Runde am Podium gestellt. SGAM Sekretär Cina meinte, ein Moratorium der Ratingverfahren der Santésuisse wäre ein Tatbeweis, dass die santésuisse sich in dieser Frage sozial verträglich gebärden könnte und damit eine vertrauensvolle Partnerschaft möglich wäre.

 

Herr Kaufmann von der santésuisse schien auch nicht ganz glücklich über das Ratingverfahren, für welches er letztlich die volle Verantwortung trägt, meinte aber das künftige Entwicklungen in ca 3 Jahren die Situation entschärfen könnten. Wir hoffen also mit ihm, dass er stark genug ist, wie sein Vorgänger Fritt Britt, die sadistischen Jäger der Santésuisse - aktuell im Kt. Tessin besonders aktiv - unschädlich zu machen. Täglich erhalten wir Beweise des Gegenteils. Wir sammeln diese Beweise und werden sie an richtiger Stelle verfügbar machen.

 

Fazit: den Versicherern bleibt nicht mehr viel Zeit, sich in ihren Ratingverfahren anständig zu verhalten. Sobald die enorm tiefe Qualität derselben Dank einer perfekt orchestrierten Moratoriums-Initiative öffentlich publik gemacht werden wird, wird der Aufschrei über das heutige Benchmarking der Versicherer in der Öffentlichkeit die Versicherer selbst zu schwarzen Schafen brandmarken.

 

Das 4. Consano Symposium wies Schwächen auf. So waren Trustcenters und deren Argumentation auf dem Podium nicht vertreten, noch wurde klar genug kommuniziert, wie sich Ärzte dank Trustcenter-Daten gegen die ungerechten Überarztungsvorwürfe der Versicherer rasch und wenig nervtötend wehren könnten.

 

Auch die Frage der Prävention von Krankheiten wurde sozusagen skotomisiert, worauf Dr. Romanens in seinem Schlusswort hinwies: zwar sei erkannt, dass die Bevölkerung zunehmend älter würde, die Frage, wie Prävention von Krankheiten, welche normalerweise zu Pflegebedürftigkeit und Unselbständigkeit führen würden, durch adäquatere Hausarztmedizin künftig vermieden werden könnte, war bei den Referenten kein Thema.

 

Heute ist das Thema "Präventive Verhinderung von Überarztung" dank der Schrotschussmethode der Santésuisse eindeutig mehr en vogue als das Thema Prävention von Morbidität und Unselbständigkeit auf der Ebene der Population ("population attributable risk"). Mit Verlaub also: Prävention ist DIE Herausforderung an die Hausarztmedizin von morgen. Hoffen wir, dass das nächste Consano Symposium hier besser einhaken kann. Und dass die Hausärzte künftig nicht gezwungen werden, versteckt zu rationieren, sondern ihren populationsweiten Präventionsauftrag höher priorisieren dürfen. Diverse Institutionen sind aufgefordert, die Finanzierungen zu konzipieren, zu erfassen und zu ermöglichen. Was macht da eigentlich das BAG? Darüber mehr am 1.12.2008 am Kantonsspital Olten: Jubliäumsveranstaltung 5 Jahre Consano. Wir hoffen auf Ihr Erscheinen.

 

 

Michel Romanens, Co-Präsident Consano, Präsident physicianprofiling.ch