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Das 4. Consano Symposium fand am 18. September
in Olten statt und wurde von rund 60 interessierten Personen besucht. Neben
einer bedeutsamen Referentengruppe zeigten die Exposees auch viele
menschliche Aspekte auf, sehr gut und mehrfach exemplifiziert durch eine
hervorragende Michèle Meyer.
Menschliche (Leidens-) Ebenen sollen oder
müssen angeblich von Verwaltern des Gesundheitswesens zugunsten höherer
Metaebenen ja gelegentlich verlassen werden. Diese höhere Metaebene glaubt,
dass im höheren Interesse (von wem?) Opfer auf der Submeta-Ebene notwendig
sind, sozuagen: dass Schiff muss schwimmen, auch wenn einige (zu viele?)
dabei unrettbar über Bord gehen. Das ist genau die Frage: wo beginnt die
Metaebene in ihren höheren Sphären zu pervertieren ? Diese Grenze zu
erkennen, wo eine Metaebene Perversion (zu viele die über Bord gehen)
erzeugt, ist nicht einfach. Viele Spezialisten im Gesundheitswesen sind
damit beschäftigt, die Metaebenen so auszugestalten, dass Perversion
vermieden wird. Ja, aber gibt es denn diese Perversionen?
Wenn die Versicherer glauben, sie können mit
7% der erklärbaren Kosten bei den Hausärzten einen Siebfilter verwenden,
welcher zudem die gesetzlichen WZW-Kriterien zu erfüllen hätte, dann ist das
ein veritabler Skandal und eine dieser manifesten Perversionen. Es ist
wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das Benchmarking der santésuisse sich
als Kotzbrocken gegen die Versicherer selbst wenden wird.
Deshalb forderte Dr. Romanens ein Moratorium
für das Benchmarking der Santésuisse, welches in der Folge von Christoph
Cina am Podium unterstützt wurde.
Wir sind uns dabei bewusst: es wäre ein
leichtes, bessere Verfahren anzuwenden. Keiner Krankenkasse käme es in den
Sinn, dieses diskriminierende und personlichkeits-verletzende Verfahren,
welches von santésuisse gegen brave Hausärzte eingesetzt wird, für den
eigenen Risikoausgleich zu verwenden. Pharmaceutical cost groups alleine
würden als Beweis genügen, dass der Filter nicht mehr weiter ein
zerstörerisches Fischernetz bedeuten würde, dass niemand mehr flicken mag. Und diese
Verfahren wären schon heute anwendbar.
Nehmen wir ein Beispiel: Arzt X liegt um 80%
über dem Schnitt und ist damit ein potentieller Versicherungsbetrüger, immer
nach Lesart der Santésuisse. Entgegen den üblichen Verfahren im
internationalen und nationalen Rechtswesen ist der Beschuldigte nun gezwungen, seine Unschuld zu beweisen, eine weitere dieser
Perversionen der Versicherer gegen Ärzte. Normalerweise muss ja der
Kläger den Beweis antreten.
Die Jusletter 08/2008 demaskiert dieses
Verfahren endlich als das, was es ist: ein mafiöses Gebilde aus Erpressung,
Bedrohung der Persönlichkeit und angedrohte Regressrorderungen. oder
Originalton: "Ruinöse Rechtssprechung in Wirtschaftlichkeitsverfahren (pdf)."
So kann es also kaum weiter gehen. Denn der
besagte Arzt generiert auf Grund seiner Klientel 80% mehr krankheitsbedingt
notwendige Kosten als die Kollegen in der Vergleichsgruppe. Die Santésuisse
bräuchte nur kurz nachzufragen bei ihren Datenzulieferern, den
Krankenkassen: "Hallo, hier Santésuisse. Arzt X ist auffällig. Könnt ihr mir
nähere Daten liefern?" Antwort: "der Arztcheck hat ergeben, dass er im
Vergleich zu seinen Kollegen häufiger Insulin, Antidepressiva und vor allem
Krebsmittel verschreibt". Auf Grund der Medikamente, die der Arzt
verschreibt, kann nämlich auf die Diagnose geschlossen werden:
Insulin=Diabetes. Antidepressiva=Depression. Krebsmittel=Krebs. Der Arzt ist
also teurer, weil er im Schnitt teurere Patienten versorgen muss (rechtlich:
Auftragsrecht Patient-Arzt).
Warum fragt die santésuisse also nicht mal
nach und bereinigt ihre Daten, bevor sie ihre Bedrohungsschreiben auf die
braven Hausärzte loslässt? Überlegen Sie selber. Für die richtige Antwort
erhalten Sie einen Check über 100 Sfr. (Privatfond Dr Romanens, Gewinner
werden publiziert).
Wie die Ethikerin der Universität Genf, Samia
Hurst, richtig feststellte, steckt das Problem in der Machtverteilung, wenn
Konflikte auftreten. Liegt bei den Wirtschaftlichkeitsverfahren die Macht zu
sehr bei den Versicherern, sind Ungerechtigkeiten programmiert. Die
Versicherer sind sich natürlich der Defizite ihrer Instrumente bewusst,
argumentieren aber mit dem ihnen aufgehalsten Gesetzesauftrag.
Die Frage der Vertrauensbildung zwischen
Versicherern und Aerzten wurde nicht zu Unrecht vom hervorragenden
Moderator, Herr Brodbeck, der Runde am Podium gestellt. SGAM Sekretär Cina
meinte, ein Moratorium der Ratingverfahren der Santésuisse wäre ein
Tatbeweis, dass die santésuisse sich in dieser Frage sozial verträglich gebärden
könnte und
damit eine vertrauensvolle Partnerschaft möglich wäre.
Herr Kaufmann von der santésuisse schien auch
nicht ganz glücklich über das Ratingverfahren, für welches er letztlich die
volle Verantwortung trägt, meinte aber das künftige Entwicklungen in ca 3
Jahren die Situation entschärfen könnten. Wir hoffen also mit ihm, dass er
stark genug ist, wie sein Vorgänger Fritt Britt, die sadistischen Jäger der Santésuisse
- aktuell im Kt. Tessin besonders aktiv - unschädlich zu machen. Täglich erhalten wir
Beweise des Gegenteils. Wir sammeln diese Beweise und werden sie an
richtiger Stelle verfügbar machen.
Fazit: den Versicherern bleibt nicht mehr viel
Zeit, sich in ihren Ratingverfahren anständig zu verhalten. Sobald die enorm
tiefe Qualität derselben Dank einer perfekt orchestrierten Moratoriums-Initiative öffentlich publik gemacht werden wird, wird der Aufschrei
über das heutige Benchmarking der Versicherer in der Öffentlichkeit die
Versicherer selbst zu schwarzen Schafen brandmarken.
Das 4. Consano Symposium wies Schwächen auf.
So waren Trustcenters und deren Argumentation auf dem Podium nicht
vertreten, noch wurde klar genug kommuniziert, wie sich Ärzte dank
Trustcenter-Daten gegen die ungerechten Überarztungsvorwürfe der Versicherer
rasch und wenig nervtötend wehren könnten.
Auch die Frage der Prävention von Krankheiten
wurde sozusagen skotomisiert, worauf Dr. Romanens in seinem Schlusswort
hinwies: zwar sei erkannt, dass die Bevölkerung zunehmend älter würde, die
Frage, wie Prävention von Krankheiten, welche normalerweise zu
Pflegebedürftigkeit und Unselbständigkeit führen würden, durch adäquatere
Hausarztmedizin künftig vermieden werden könnte, war bei den Referenten kein
Thema.
Heute ist das Thema "Präventive Verhinderung
von Überarztung" dank der Schrotschussmethode der Santésuisse eindeutig mehr
en vogue als das Thema Prävention von Morbidität und Unselbständigkeit auf
der Ebene der Population ("population attributable risk"). Mit Verlaub also:
Prävention ist DIE Herausforderung an die Hausarztmedizin von morgen. Hoffen
wir, dass das nächste Consano Symposium hier besser einhaken kann. Und dass
die Hausärzte künftig nicht gezwungen werden, versteckt zu rationieren,
sondern ihren populationsweiten Präventionsauftrag höher priorisieren dürfen.
Diverse Institutionen sind aufgefordert, die Finanzierungen zu konzipieren,
zu erfassen und zu ermöglichen. Was macht da eigentlich das BAG? Darüber
mehr am 1.12.2008 am Kantonsspital Olten: Jubliäumsveranstaltung 5 Jahre
Consano. Wir hoffen auf Ihr Erscheinen.
Michel Romanens, Co-Präsident Consano,
Präsident physicianprofiling.ch
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